Wer die Wahl hat, hat die Qual... Dieser Spruch passte auf den Tag des offenen Denkmals heute besonders gut. Wo sollte es hingehen? Stuttgart? Ludwigsburg? In der Umgebung bleiben? Ich entschied mich für Esslingen, da ich dort in der App des Deutschen Denkmalschutzes viele interessante Angebote gesehen hatte. Was ich leider nicht gesehen hatte: Dass die Führungen in Kleingruppen von 15-20 Leuten ab dem 09.09. reserviert werden mussten...
Optimistisch fuhr ich trotzdem nach Esslingen - und siehe da: meine Lieblingsführung in der Ausgrabungsstätte der St. Dionys Kirche (mehr Bilder zur Kirche hier) war nicht komplett besucht und ich durfte auch ohne Anmeldung mit! Die Führung war äußerst interessant - bereits im 8. Jahrhundert wurde an der Stelle die erste Stadtkirche errichtet, zur Verehrung der Gebeine des heiligen Vitalis. Über die Jahrhunderte wurde der Bau Stück für Stück erweitert - zuletzt mit einer starken Vergrößerung des Chorraumes, was auch eine Erhöhung der Türme zur Folge hatte. Den Plan zum ursprünglich angedachten, typischen Nordturm, verwarf man jedoch wieder - das Fundament wurde bei Ausgrabungen gefunden. Apropos Fundament: Türme einfach so stark zu erhöhen auf einem viel zu klein angelegten Fundament hatte seine Folgen: die beiden Türme begannen zu kippen und mussten mittels größerer Verstärkungen und einer Brücke gesichert werden. Es war sehr spannend zu sehen wie sich die freigelegten Fundamente und die damit verbundenen Bauweisen änderten - das Grab des Heiligen Vitalis wanderte auch und erhielt eine größere Krypta - an Mauerresten sind noch Bemalungen sowie Rauchspuren der Opferkerzen zu entdecken. Die Gebeine allerdings gelten seit der Reformation als verschollen.
Nach einer kurzen Stärkung im Café mit fabelhafter Zimtschnecke ging es weiter zum nächsten Stop, den ich gebucht hatte - die Besichtigung der Marienkapelle im Salemer Pfleghof, die sonst nie für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Geschichte des Pfleghofs zu erfahren war interessant - in Esslingen gab es früher einige dieser Klosteraussenstellen wie diese des Kloster Salems -, das Glasfenster der Kapelle war auch sehr schön, der Rest allerdings wesentlich schlichter als gedacht.
Gleich nebenan thront die Frauenkirche - meine Lieblingskirche in Esslingen. Diese Bürgerkirche im Stil der südwestdeutschen Spätgotik (mehr Bilder zur Kirche hier) besticht durch ihre schlichte Gestaltung, welche die wunderschönen Glasfenster umso deutlicher zur Geltung kommen lässt. In einem interessanten Gespräch erfuhr ich noch weitere Details: der Baumeister war auch am Bau des Speyer Doms und des Freiburger Münster beteiligt, einige der - bei genauerem Hinschauen auffindbaren - Steinmetzzeichen sind wahrscheinlich "gefälscht" d.h. nachträglich von Steinmetzen dort eingeritzt & auch in dieser Kirche wurden einige Gräber wohlhabender Bürger und Geistlicher gefunden, deren Grabplatten jetzt an den Wänden zu besichtigen sind.
Wieder Richtung Stadtmitte hörte ich mir ein gregorianisches Konzert im Münster an, bevor ich zu meinem letzten Stop ging - dem Esslinger Stadtmuseum, dessen Eintritt heute umsonst war. Dort wurde die Stadtgeschichte anhand ausgewählter Exponate erzählt und einzelne Esslinger Bürger anhand persönlicher Gegenstände hervorgehoben. Am meisten interessierte mich der Bereich zu Kirchen und Klöster, die Esslingen stark prägten, sowie der Bereich zum Thema Weinanbau und dessen Bedeutung für die Stadtentwicklung.































































































Esslingen ist schon eine sehr schöne und beeindruckende Stadt. Du hast sie mit deinen tollen Bildern wunderbar in Szene gesetzt.
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